Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Und dann stehe ich da, in meinem weißen Spitzenkleid. Drehe mich hin und her. Und fühle mich wie ein kleines Mädchen in seinem neuen Lieblingskleid. Gar nicht erwachsen.

Ganz oft überlege ich wann es denn anfängt. Dieses Erwachsensein. Ich warte drauf. Schon eine ganze Weile. Wie ihr auch hier schon lesen konntet. Nicht darauf, dass ich erwachsener aussehe. Nicht darauf, dass ich älter werde. Einfach nur auf dieses Gefühl. Dieses Gefühl erwachsen zu sein.

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Um mich herum bekommen die Menschen Kinder. Heiraten. Bauen Häuser. Lassen sich scheiden. Gründen Familien. Unternehmen. Beenden ihr Studium. Machen Segelscheine. Kaufen Autos. Wandern aus. Um mich herum sieht es so aus, als wüsste jeder genau was er tut. Als wüsste jeder genau, was das Richtige für ihn ist. Sie scheinen alle so souverän. So sicher. So selbstbewusst. Unverwundbar. So erwachsen. Und um mich herum fängt alles an sich zu drehen. Muss ich jetzt irgendwas?

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Ist es das jetzt? Dieses Erwachsensein. Fühlt es sich so an? Ist es das? Dieses Gefühl, dass alle Bescheid wüssten. Um dann zu erkennen, dass sie es doch nicht tun? Dass wir uns alle nie sicher sind, ob wir die richtigen Entscheidungen treffen? Oder ist es vielleicht grade das, was das Erwachsensein ausmacht? Entscheidungen? Immer wieder neue Entscheidungen? Immer wieder neue Weggabelungen. Immer wieder Entscheidungen für Wege, von denen wir vorher nicht wissen, ob sie uns ans Ziel führen. Und wenn ja, ob sie uns an das richtige Ziel führen.

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Manchmal machen wir einen Schritt nach vorn, um im nächsten Moment zaghaft wieder zwei zurück zu machen. Aus Angst, dass der Weg doch nicht richtig sein könnte. Und manchmal, da rennen wir ihn einfach entlang. Wir schauen nicht nach rechts und nicht nach links. Wir rennen einfach nur. Weil wir meinen, dass es der richtige Weg sein muss. Weil wir uns keine Pause gönnen wollen. Keine Pause, die uns Zeit zum Nachdenken lässt. Keine Zeit zum Überlegen, was es rechts und links vom Weg noch geben könnte. Keine Zeit um zu entscheiden, ob wir vielleicht doch umkehren wollen. Rennen. Bis zum Ende. Um am Ende einen Haken machen zu können.

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Manchmal denke ich, der einzige Punkt, der mich merken lässt, dass ich erwachsen bin, ist die Leichtigkeit. Manchmal vermisse ich sie. Diese Leichtigkeit mit der man als Kind morgens aufwacht. Mit der man den Tag beginnt. Ganz ohne To-Do-Listen im Kopf. Ohne feste Pläne. Ohne Zukunftsgedanken. Ohne Gewissensbisse. Ohne Erwartungen. Diese Leichtigkeit.

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Growing up : Gedanken im weißen SpitzenkleidKleid Chicwish – Kamera Pentax – Ring H&M 

Und dann ist sie manchmal einfach da. In Momenten wie diesen. Hier auf dem Kornfeld. Da ist sie plötzlich da. Die Leichtigkeit. Und fühlt sich so gut an. Es gibt nur uns und die Kamera. Und dieses traumhafte weiße Spitzenkleid. Der Gedanke an den Bauern, der es nicht mag, wenn wir sein Korn zertrampeln ist weg. Davon geflogen. Alle Gedanken. Irgendwo weit über das Feld verstreut. Dann gibt es nur den Moment. Ruhe. Und das Gefühl, dass ich das mache, was ich möchte. Und dann fällt mir wieder ein, was es ist, dieses Erwachsensein. Es sind wir. Wir selbst. Das, was wir daraus machen. Das Gefühl, an das wir glauben wollen. Das bei sich selbst sein. Einen Weg ausprobieren. Die Momente genießen und aus ihnen zehren. Das ist es.

Growing up : Gedanken im weißen Spitzenkleid

Wir sind nicht Peter Pan. Lasst es uns einfach zulassen. Und aufhören zu rennen.

– Julie –

Pics by DLPhotography

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8 Comments

  1. 11. August 2015 / 19:22

    Ich kann dir nur zustimmen. Zu allem. Ich schreibe auch manchmal sowas, doch ich wage es nicht, diese Art Gedanken auf meinem Blog zu posten. Vielleicht sollte ich mich nicht so oft fragen, was die anderen denken könnten, wenn sie das lesen. Dass ich melancholisch bin.
    Liebste Grüße

    Kali von Miss Bellis Perennis

    • Julie
      Author
      13. August 2015 / 11:32

      Danke liebe Kali 🙂 Ich finde ein bisschen Melancholie ist nichts schlimmes. Das bedeutet ja nicht gleich, dass man unglücklich oder unzufrieden ist. Und im Gegenteil, ich finde auf einem Blog muss auch nicht nur oberflächliches Gerede stattfinden. Wir Blogger sind auch ganz normale Menschen, bei denen (anders als es manchmal bei Instagram aussieht) auch nicht alles wie in einer rosa Glücksbärchiwelt ist. Also nur Mut 🙂

  2. Mama
    11. August 2015 / 21:55

    Klingt schon ziemlich erwachsen was Du schreibst. Gut dass du aber immer mein Kind bleibst. Hab Dich unendlich lieb.

    • Julie
      Author
      13. August 2015 / 11:34

      Meine liebe Mami <3 Ja, das ist wirklich gut! Ich hab dich auch sehr lieb!

  3. 12. August 2015 / 9:23

    Such a gorgeous shots! I really love your style! I am on love with them.

    XOXO Lovingrosestyle.blogspot.com

    • Julie
      Author
      13. August 2015 / 11:34

      Thank you for the lovely words dear 🙂

  4. 12. August 2015 / 12:19

    Was für ein schöner Text.. mir geht es genauso. Auch, wenn ich erst Anfang 20 bin, habe ich auch schon diese Freunde, die so unglaublich erwachsen sind/wirken. Sie bekommen ihr 1. Kind, heiraten und ich.. ich muss erst einmal schauen, wohin es mich trägt in meinem Leben. Aber das ist auch gar nicht schlimm, irgendwann bin auch ich wohl angekommen 🙂 Bis dahin genieße ich eben noch meine Leichtigkeit, die gefällt mir ja auch eigentlich sehr sehr gut 🙂
    Liebe Grüße <3
    http://littlediscoverygirl.blogspot.de

    • Julie
      Author
      13. August 2015 / 11:37

      Danke liebe Josephine, freut mich, dass er dir gefällt 🙂 Und du hast ganz Recht, genieß die Leichtigkeit, dieses Erwachsending kommt irgendwann von ganz allein <3

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